Dein Kind hat die Reihen gelernt, konnte sie aufsagen, und ein paar Wochen später ist alles wieder weg. Oder es kann die Reihen tadellos und scheitert trotzdem an jeder Aufgabe, die anders aussieht. Ich zeige dir, warum das passiert, in welcher Reihenfolge dein Kind das Einmaleins wirklich lernt, und mit welchen zwei Aufgaben du in fünf Minuten prüfst, ob es verstanden hat, was Malnehmen bedeutet.
Stand: August 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Auswendiglernen ist beim Einmaleins nicht das Mittel der Wahl. Es führt nicht dazu, dass dein Kind versteht, wie die Reihen untereinander zusammenhängen.
- Verstehen kommt zuerst, Automatisieren danach. Erst wenn dein Kind weiß, was eine Malaufgabe bedeutet, macht es Sinn, sie schnell abrufbar zu machen.
- Zwei Aufgaben zeigen dir alles: Lass dein Kind eine Geschichte zu 3 mal 5 erzählen, und lass es 37 geteilt durch 6 rechnen.
- Das Einmaleins ist nach den Ferien weg, wenn es nur auswendig gelernt war. Das ist kein Zeichen von Faulheit, sondern eine Frage der Wiederholung.
- Wiederhole so, dass es für dein Kind einen Sinn hat. Stumpfes Pauken speichert schlechter als alles, was mit einem Erlebnis verbunden ist.
Warum das Einmaleins nach den Ferien wieder weg ist
Weil es nur auswendig gelernt war und in den Wochen ohne Wiederholung nicht abgerufen wurde. Das erlebe ich jedes Jahr: Vor den Ferien in der 2. Klasse konnte dein Kind die Reihen aufsagen, nach den Ferien in der 3. Klasse wirkt es, als hätte es nie davon gehört. Genau deshalb wiederholen die Lehrkräfte zu Beginn der 3. Klasse die Multiplikation und Division noch einmal komplett, weil ein Großteil der Kinder, die nur auswendig gelernt haben, diese Aufgaben nicht mehr parat hat.
Dahinter steckt kein Fleißproblem. Stell dir das Gehirn deines Kindes wie ein Büro vor. Das Arbeitsgedächtnis ist der Schreibtisch, auf dem alles landet, was gerade bearbeitet wird: Zahlen, Rechenschritte, Zwischenergebnisse, Anweisungen. Bei Kindern ist dieser Schreibtisch noch ziemlich klein, und wenn zu viel gleichzeitig darauf liegt, bricht die Verarbeitung zusammen. Dein Kind sitzt da, macht große Augen und weiß gar nichts mehr.
Alles, was gut geübt und automatisiert ist, wandert ins Langzeitgedächtnis und belegt den Schreibtisch nicht mehr. Automatisiert heißt: Du hörst 6 mal 7 und weißt das Ergebnis, ohne nachzudenken, so wie du Fahrrad fährst, ohne über das Gleichgewicht nachzudenken. Und wie beim Fahrradfahren nach zwanzig Jahren Pause muss auch das Einmaleins nach sechs Wochen Ferien einmal hervorgeholt werden. Es geht dann schneller als beim ersten Mal, aber ganz ohne Abrufen geht es nicht. Warum das bei Mathe besonders oft passiert, steht in Mein Kind versteht Mathe nicht.
Wie bringe ich meinem Kind das Einmaleins bei?
Indem du es in dieser Reihenfolge angehst: erst verstehen, was Malnehmen überhaupt bedeutet, dann die Beziehungen zwischen den Reihen, und erst danach schnell abrufen. Diese Reihenfolge umzudrehen ist der häufigste Fehler, den ich sehe.
Fang bei der Bedeutung an. Eine Malaufgabe beschreibt eine Handlung, die sich wiederholt, und genau so darf dein Kind sie kennenlernen. Drei Kinder gehen ins Schwimmbad, jedes bezahlt 5 Euro Eintritt, zusammen sind das 15 Euro. Das ist 3 mal 5. Solche Situationen kannst du legen, aufmalen und erzählen lassen, bevor die Aufgabe als Zahlensatz auf dem Papier steht. Bei Würfelhaus gehen wir dafür über vier Lernebenen: Handlung, Bild, Verinnerlichung, Abstraktion. Dein Kind macht es erst mit den Händen, sieht es dann als Bild, hat es danach im Kopf vor Augen, und erst am Schluss steht da nur noch 3 mal 5.
Danach kommen die Zusammenhänge. Dein Kind soll erkennen, wie die Reihen miteinander verbunden sind, und wie sich aus einer Malaufgabe eine Geteiltaufgabe ableiten lässt. Das ist die eigentliche Arbeit, und sie ist der Grund, warum ein Kind später mit einer ungewohnten Aufgabe nicht sofort ratlos dasteht.
Und dann erst automatisierst du. Ab da darf und soll geübt werden, bis es sitzt. Zwei Dinge helfen dabei jedes Mal: kleine Schritte statt eines großen, und der Start bei dem, was dein Kind schon kann. Wenn du eine Übungseinheit mit etwas Bekanntem beginnst, hat dein Kind sofort ein Erfolgserlebnis und geht mit ganz anderer Laune in den neuen Schritt. Wie das beim Rechnen allgemein aussieht, findest du in Mein Kind kann nicht rechnen.
Kostenloser Online-Workshop mit Christine
Sieh dir live an, was unter dem Einmaleins fehlt
Christine zeigt dir live, warum Kinder in Klasse 1 bis 3 beim Rechnen hängen bleiben und wie du die Lücke von unten her schließt. Deine Fragen kannst du direkt stellen. Die Teilnahme kostet nichts.
Zum kostenlosen Online-WorkshopWann ist das Einmaleins dran, und wann noch nicht
Das kleine Einmaleins ist Thema der 2. Klasse, in der 3. Klasse folgen Multiplikation und Division mit großen Zahlen, meist ab dem Halbjahr und oft erst Richtung Osterferien. Ganz am Ende der 3. Klasse kommen die schriftlichen Verfahren, und die setzen das kleine Einmaleins voraus, nicht nur auswendig, sondern verstanden.
Wichtiger ist die Frage, wann es noch nicht dran ist. Wenn dein Kind den Zehnerübergang noch nicht sicher rechnet, also Aufgaben wie 8 plus 7 noch vorwärts zählt, dann hat das Einmaleins zu Hause keine Priorität. In der Schule läuft es einfach mit, geübt wird zu Hause das, was darunter liegt. Das fühlt sich falsch an, weil in der Klasse gerade die Reihen dran sind, ist aber der schnellere Weg. Ein Kind, das im Zahlenraum bis 100 nicht klarkommt, sammelt beim Malnehmen nur eine zweite Baustelle ein.
Genauso wenig sinnvoll ist es, die Malreihen ständig zu wiederholen, nur aus Sorge, dein Kind könnte sie vergessen. Ein bisschen frisch halten ist gut, aber jede Minute, die du in auswendig gelernte und nicht verstandene Reihen steckst, fehlt dir für die Lücken, die dein Kind wirklich aufarbeiten muss.
Zwei Aufgaben, mit denen du prüfst, ob dein Kind Malnehmen verstanden hat
Beide dauern zusammen keine fünf Minuten und sagen dir mehr als jeder Reihenaufsager.
Erste Aufgabe: Erzähl mir eine Geschichte zu 3 mal 5. Dein Kind sollte ohne langes Überlegen etwas erzählen können wie das Beispiel mit dem Schwimmbad oben. Kinder, die das Malnehmen nicht verstanden haben, erfinden stattdessen etwas rund um die Ziffern selbst, etwa dass die 3 und die 5 ein Paar sind und ein Kind bekommen, und zusammen sind sie dann 15. Das klingt niedlich und zeigt dir sofort, dass hinter der Aufgabe keine Vorstellung von Mengen steht. Ich erlebe das bei den Familien, die wir begleiten, sehr häufig.
Zweite Aufgabe: Rechne 37 geteilt durch 6. Das ist der schärfste Prüfstein, den ich kenne. Ein Kind, das die Sechserreihe auswendig kann, geht sie durch: 6, 12, 18, 24, 30, 36. Und dann steht es. Die 37 kommt in der Reihe nicht vor, also weiß es nicht, was es tun soll. Kann dein Kind die reinen Geteiltaufgaben, scheitert aber am Teilen mit Rest, dann hat es die Reihen gelernt und nicht das Teilen. Genau diese Konstellation sehe ich immer wieder, wenn Eltern den Lernstand ihres Kindes zu Hause einmal in Ruhe prüfen, also selbst nachschauen, was das Kind wirklich schon kann.
Wenn beide Aufgaben nicht funktionieren, ist das kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die Reihenfolge umzustellen. Warum flüssiges Aufsagen so trügerisch ist, habe ich in Auswendig gelernt, aber nicht verstanden ausführlich beschrieben.
Wie bringe ich meinem Kind das Teilen bei?
Über die Multiplikation, denn das Teilen ist die Umkehraufgabe dazu. Umkehraufgabe heißt: Wenn dein Kind weiß, dass 4 mal 5 gleich 20 ist, dann steckt darin auch schon, dass 20 geteilt durch 4 gleich 5 ist. Es ist dieselbe Beziehung, nur von der anderen Seite betrachtet. Ist die Multiplikation wirklich verstanden, geht das Dividieren meistens gut mit.
Deshalb lohnt es sich, beides zusammen zu denken und nicht als zwei getrennte Themen zu üben. Hilfreich ist außerdem, die Sprache dazu zu sammeln. Welche Wörter deuten auf eine Malaufgabe hin? Immer wieder, jedes Mal, alles, was eine wiederholte Handlung beschreibt. Und welche auf eine Geteiltaufgabe? Teilen, aufteilen, verteilen. Eine solche Wortsammlung könnt ihr gemeinsam anlegen, und sie hilft deinem Kind später bei jeder Sachaufgabe, in der es entscheiden muss, welche Rechenart überhaupt gemeint ist.
Was beim Üben nicht weiterhilft
Drei Dinge sehe ich immer wieder, und alle drei kosten Zeit, ohne etwas zu bewirken.
- Reines Auswendiglernen als Hauptweg. Lieder, Gedichte und Rechentricks wie der Neuner-Trick sind sehr verbreitet, und für Kinder, die gut auswendig lernen, sieht es kurzfristig sogar nach Erfolg aus. Nur führt es nicht zu verständigem Rechnen, und für die vielen Kinder, denen Auswendiglernen schwerfällt, ist es einfach nur mühsam. Ich bin kein Fan davon.
- Abfragen unter Zeitdruck. Wenn Aufgaben auf Tempo abgefragt werden, misst du, wie gut dein Kind unter Stress abrufen kann, nicht ob es verstanden hat. Eine Übung soll dem Kind dienen, nicht es stressen. Spiele funktionieren, solange dein Kind freiwillig mitmacht und auch aussteigen darf.
- Zu viel Anschauungsmaterial. Steckwürfel, Punktefelder, Rechenplättchen, Rechenkette, Zwanzigerfeld, Hunderterfeld, Zahlenstrahl: Wenn ein Kind ständig zwischen unterschiedlichen Darstellungen wechselt, ist das kein Vorteil. Kinder, die sich mit Mathe schwertun, brauchen eine klare Anschauung, die sie durchgehend begleitet.
Was stattdessen zählt, habe ich in Fünf Tipps, wie du eine Rechenschwäche beim Kind vermeidest zusammengefasst.
So wiederholst du, damit das Einmaleins bleibt
Nicht stumpf pauken, sondern regelmäßig und mit Sinn aktivieren. Dinge, die interessant sind, die einen Witz haben oder mit einem Erlebnis verbunden sind, speichern sich deutlich besser als reine Information. Deshalb funktioniert Abwechslung hier so gut.
- Verbinde eine Reihe mit einem Ort oder einer Bewegung. Eine Reihe wird abgefragt, während dein Kind auf dem Kopf steht, eine andere auf dem Trampolin, eine dritte liegend auf der Couch. Viele Kinder können die Reihe später über diesen Ort wieder abrufen.
- Lass dein Kind das Thema ziehen. Schreib die Mathethemen, die schon dran waren, auf einzelne Karteikarten, und dein Kind zieht jeden Tag eine davon. Steht dort Malnehmen, sagst du drei Aufgaben, und die werden gerechnet. Das hält alles frisch, ohne dass jemand einen Plan abarbeiten muss.
- Halte es in den Ferien warm. Eine Aufgabe pro Tag zu einem Thema reicht völlig, damit dein Kind daran erinnert wird, wie es rechnet. Das ist der Unterschied zwischen einmal abrufen und im September alles neu aufbauen.
Und wenn dein Kind trotz Üben kaum vorankommt, beim Rechnen stark frustriert ist, ausweicht oder weint, dann ist das kein Übungsproblem mehr. Woran du das erkennst, steht in Dyskalkulie erkennen, und was dahinterstecken kann, in Rechenschwäche beim Kind.
Kostenloser Rechen-Check
Wo dein Kind steht, weißt du in drei Minuten
Acht kurze Fragen zu deinem Kind, danach bekommst du eine Einschätzung, an welcher Stelle die Lücke liegt. Das dauert etwa drei Minuten.
Jetzt kostenlosen Rechen-Check machenHäufige Fragen
Wann sollten Kinder das Einmaleins können?
Das kleine Einmaleins ist Stoff der 2. Klasse. In der 3. Klasse wird es vorausgesetzt, dort kommen Multiplikation und Division mit großen Zahlen dazu, meist ab dem Halbjahr, und am Ende die schriftlichen Verfahren. Vorausgesetzt wird dabei nicht nur das Aufsagen, sondern das Verständnis für die Reihen.
Wie lernt mein Kind am besten das Einmaleins?
In kleinen Schritten und in der Reihenfolge verstehen, verknüpfen, automatisieren. Beginne jede Übungseinheit mit etwas, das dein Kind schon kann, und geh von dort aus einen Schritt weiter. Lieber kurz und intensiv als lang und zäh, denn es kommt nicht darauf an, wie lange ihr übt, sondern wie konzentriert.
Helfen Einmaleins-Lieder und Apps?
Als Ergänzung ja, als alleiniger Weg nein. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Kind sich nebenbei die Lieder anhört, solange parallel dafür gesorgt ist, dass es versteht, was Malnehmen bedeutet, und eine Aufgabe auch tatsächlich rechnen kann. Manche Kinder lernen hervorragend auswendig, und genau bei denen fällt später besonders auf, dass darunter nichts liegt.
Mein Kind hat die Reihen über die Ferien vergessen. Ist das schlimm?
Nein, das ist normal und kein Grund, alles von vorn zu beginnen. Was einmal automatisiert war, muss nur wieder hervorgeholt werden, und das geht schneller als beim ersten Lernen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, reicht in den Ferien eine Aufgabe pro Tag.
Mein Kind kann die Reihen, scheitert aber am Teilen mit Rest. Woran liegt das?
Daran, dass es die Reihen auswendig gelernt hat, ohne die Beziehungen dahinter zu verstehen. Beim Teilen mit Rest kommt die gesuchte Zahl in der Reihe gar nicht vor, so wie die 37 in der Sechserreihe. Wer nur Auswendiggelerntes abrufen kann, findet dann keinen Anschluss. Das ist ein deutliches Signal, beim Verständnis für die Multiplikation noch einmal anzusetzen.
Der nächste Schritt, wenn du tiefer einsteigen willst
Wenn du wissen willst, warum dein Kind beim Rechnen hängt und wie du die Lücke von unten her schließt, habe ich das hier ausführlich aufgeschrieben: Warum dein Kind Probleme mit Mathe hat.
Über die Autorin: Christine Strauß-Ehret war zwanzig Jahre lang Grundschul- und Förderlehrerin und hat die Würfelhaus-Methode entwickelt. Sie begleitet Familien, deren Kinder in der Grundschule Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben.
Schreiben Sie einen Kommentar