Hinter Würfelhaus steht Christine Strauß-Ehret, ehemalige Förderschul- und Grundschullehrerin mit über 20 Jahren Erfahrung und Gründerin des Würfelhaus-Konzepts. Wenn du wissen willst, warum es dieses Konzept überhaupt gibt, dann fängt die Geschichte nicht im Klassenzimmer an, sondern auf der falschen Seite des Pults.
Im Gegenteil. Ich habe Lehrer gehasst. In meiner eigenen Schulzeit bin ich auf Lehrkräfte getroffen, die mir die Schule gründlich verleidet haben. In der Grundschule war das noch anders, da war ich einfach das verträumte Kind, in meinen Zeugnissen stand jedes Jahr, dass die Christine sehr verträumt sei. In der Familie hieß ich die zerstreute Professorin, weil ich schon mal in Hausschuhen zur Schule gefahren bin.
Nach der Grundschule wurde es schwierig. Und zwar nicht in Mathe, wie du vielleicht vermuten würdest, sondern in Deutsch. Ich hatte dort eine Fünf, und egal wie sehr ich mich vorbereitet habe, es blieb bei der Fünf. Irgendwann war ich an Tagen krank, an denen Klassenarbeiten zurückgegeben wurden.
Am Ende hat es nicht gereicht. Bei der mündlichen Prüfung fehlte mir ein einziger Punkt zum Fachabitur. Ein Punkt.
Ich wurde stattdessen Erzieherin. Und in der Erzieherschule stand wieder eine Deutscharbeit an, und ich hatte Angst davor wie vor nichts anderem. Ich habe sie mit Zittern bestanden, mit einer Drei. Danach hat mich die Lehrerin zur Seite genommen und gesagt:
„Frau Strauß, wann schreiben Sie Ihre Eins in Deutsch? Ich warte darauf."
Ich habe geantwortet, dass ich das nie schaffen werde. Und sie hat gesagt: „Ich sehe Ihr Potenzial. Sie können unglaublich gut Dinge erfassen, zusammenführen, Systeme durchschauen und hinterfragen. Das ist Ihre Stärke. Bauen Sie sie aus."
Ich habe meine Eins geschrieben. Und ich habe Deutsch am Ende mit einer Eins abgeschlossen.
An diesem Punkt habe ich zum ersten Mal erlebt, was der Unterschied zwischen zwei Lehrkräften ausmacht. Die eine hatte beschlossen, dass ich es nicht kann. Die andere hat gesehen, was ich kann, und es mir gezeigt.
Nach der Ausbildung habe ich als pädagogische Fachkraft an einer Sprachheilschule gearbeitet, mit Kindern, die beim Sprechen, Hören, Lesen, Schreiben und Rechnen Unterstützung brauchten. Dort hat es mir gefallen, und dort ist die Idee entstanden.
Meine Schwester machte mich darauf aufmerksam, dass man an der Universität in der Nähe auf Lehramt studieren konnte, ohne Abitur. Voraussetzung waren die mittlere Reife und drei Jahre in einem pädagogischen Beruf. Beides hatte ich.
Meine erste Reaktion war ein klares Nein. Nie wieder Schule. Aber dann kam ein zweiter Gedanke, und der war lauter: Du machst es einfach ganz anders als die Lehrer, die du kennengelernt hast.
Genau das war der Plan. Eine Lehrerin werden, die das Potenzial eines Kindes sieht und es unterstützt. Die alles dafür tut, dass das Kind, das vor ihr sitzt, weiterkommt. Die es schätzt und würdigt, weil es ein Mensch ist, genau wie sie.
Aus zwanzig Jahren mit Kindern, die beim Rechnen hängen geblieben sind, und aus einer Beobachtung, die sich immer wiederholt hat: Diese Kinder rechnen nicht, sie zählen. Sie kennen die Zahlen als Reihe, aber nicht als Mengen. Und weil in Mathe alles aufeinander aufbaut, wird der Abstand zur Klasse mit jedem Schuljahr größer.
Das Würfelhaus-Konzept setzt genau dort an: Kinder lernen Mengen auf einen Blick zu erfassen, statt sie abzuzählen. Von dieser Grundlage aus lässt sich alles Weitere aufbauen. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht auf der Seite zum Würfelhaus-Konzept.
Was ich in diesen zwanzig Jahren nicht erlebt habe: ein Kind, das grundsätzlich nicht mit Zahlen und Mengen umgehen konnte. Was ich erlebt habe, sind Kinder, die früh den Anschluss verloren haben und bei denen niemand rechtzeitig hingeschaut hat.
Dein Kind ist in Ordnung, so wie es ist. Es kam unschuldig auf die Welt und es ist in seinem Kern immer noch hundertprozentig in Ordnung. Was wir nicht gebrauchen können, sind Glaubenssätze wie „ich bin doof" oder „ich kann das nicht". Die entstehen schon in der ersten Klasse, und sie halten sich ein Leben lang.
Dein Kind muss nicht in allem gut sein. Eine Drei in Mathe ist völlig in Ordnung, und auch eine Vier ist kein Drama. Was nicht in Ordnung ist, ist ein Kind, das leidet und sich für dumm hält.
Und noch etwas, das ich jedem Elternteil sage, das ich berate: Sei nicht der verlängerte Arm des Schulsystems. Wenn Druck aus der Schule kommt, gib ihn nicht einfach weiter. Stell dich an die Seite deines Kindes.
Am schnellsten über den Podcast „Im Würfelhaus", in dem ich jede Woche über Schule, Lernen und Rechnen spreche. Oder über den Film „Ivonne lernt rechnen", der zeigt, wie sich der Weg eines Kindes verändert, wenn an der richtigen Stelle angesetzt wird.
Wenn du wissen willst, wo dein Kind gerade steht, beantworte die acht Fragen des kostenlosen Rechen-Checks. Das dauert rund drei Minuten.
Jetzt kostenlosen Rechen-Check machen