5 Tipps: so vermeidest du eine Rechenschwäche beim Kind

Dein Kind zeigt Probleme beim Rechnen? Vielleicht seit Kurzem, vielleicht schon länger. Vielleicht ist es auch nur ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wenn du deinem Kind bei den Hausaufgaben zusiehst. Hier bekommst du fünf Tipps, mit denen du verhinderst, dass sich aus diesen Anfängen eine echte Rechenschwäche entwickelt.

Stand: August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Übe mit deinem Kind nicht das Abzählen. Zählen kann es längst, es soll rechnen lernen.
  • Das Mengenverständnis ist die Grundlage für alles Weitere. Ohne es scheitert jeder nächste Schritt.
  • Dein Kind muss immer verstehen, worum es geht. Eine Aufgabe ohne Sinn ist nur eine Aufgabe zum Auswendiglernen.
  • Bring deinem Kind keine Rechentricks bei. Tricks versteht nur, wer schon rechnen kann.
  • Verschleppe keine Probleme. Je länger eine ungünstige Strategie läuft, desto fester sitzt sie.

Wo steht dein Kind gerade?

Rechenprobleme sehen von außen oft gleich aus, dahinter stecken aber sehr verschiedene Fragen. Such dir hier die heraus, die auf dein Kind passt. Jede führt zu einer Seite, die genau diese Frage ausführlich beantwortet.

„Mein Kind versteht Mathe einfach nicht"

In den allermeisten Fällen liegt es weder an der Intelligenz noch am Fleiß, sondern an zwei Dingen: Dein Kind begreift Zahlen noch nicht als Mengen, sondern als Wörter in einer Reihe, und sein Arbeitsgedächtnis ist überlastet, weil jeder einzelne Schritt Kraft kostet. Wie sich das in Klasse 1, 2 und 3 jeweils zeigt, liest du hier: Mein Kind versteht Mathe nicht: was in Klasse 1 bis 3 dahintersteckt.

„Mein Kind kann nicht rechnen, wie bringe ich es ihm bei?"

Rechnen lernen läuft immer über vier Stufen: Handlung, Bild, Vorstellung, Zahl. Der Startpunkt ist nie der aktuelle Schulstoff, sondern der Zahlenraum bis 10. Die vollständige Reihenfolge, dazu der Zehnerübergang und das Minusrechnen ohne Rückwärtszählen, steht hier: Mein Kind kann nicht rechnen: so bringst du es ihm Schritt für Schritt bei.

„Ist das schon eine Rechenschwäche?"

Ein einzelnes Merkmal bedeutet noch nichts. Auffällig wird es, wenn mehrere Anzeichen gleichzeitig auftreten, über längere Zeit bestehen und sich trotz Übung nichts verbessert. Mit vier Fragen für zu Hause findest du selbst heraus, ob dein Kind rechnet oder zählt. Ob die Finger dabei ein Warnsignal sind, klärt dieser Beitrag.

„Wie löse ich das Zählen ab?"

Nicht durch ein Verbot, denn danach zählt dein Kind nur noch unsichtbar weiter. Erst kommt die Alternative, dann verschwinden die Finger von selbst. Warum das Zählen eine Sackgasse ist, steht in Zählendes Rechnen ist eine Sackgasse, und welches Material das Zählen sogar festigt, in Wenn Anschauungsmaterial das Zählen zementiert.

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Zählt dein Kind noch oder rechnet es schon?

Acht kurze Fragen zu deinem Kind, danach bekommst du eine Einschätzung, an welcher Stelle die Lücke liegt. Das dauert etwa drei Minuten.

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Tipp 1: Übe mit deinem Kind nicht das Abzählen

Warum?

  • Dein Kind kann schon zählen, es soll rechnen üben.
  • Zählendes Rechnen ist ineffektiv. Es dauert zu lange, bis dein Kind die Aufgabe gelöst hat, und viele Ergebnisse werden durch Zählfehler falsch.
  • Im Zahlenraum bis 20 lässt sich das noch bewältigen, im Zahlenraum bis 100 reichen die Finger nicht mehr aus.
  • Zählendes Rechnen ist eine Sackgasse, aus der dein Kind allein nicht mehr herausfindet. Jedes Kind, das Rechenprobleme zeigt, rechnet zählend.
  • Zählendes Rechnen verhindert das Verstehen.

Was tun?

Vermeide das Lösen der Aufgaben an abzählbarem Material und übe stattdessen mit deinem Kind das schnelle Erkennen von geordneten Mengen. Schnell heißt hier: auf einen Blick, ohne einen einzigen Zählschritt. Das geht mit Fingerbildern oder mit anderen bildlichen Darstellungen von Mengen.

Würfelbild-Darstellung der Zahl 10 als 7 plus 3 im Würfelhaus-Konzept
10=7+3

Ich verwende im Würfelhaus-Konzept Würfelbilder bis 5, doppelt angeordnet. So entstehen Bilder der Mengen bis 10, hier zum Beispiel die Sieben aus fünf unten und zwei oben. Bis 5 kennt dein Kind die Würfelbilder bereits, es muss nur noch lernen, die Bilder bis 10 schnell zu erfassen. Mit etwas Übung sagt es recht bald zu diesem Bild „Sieben". Jetzt liegt der Fokus auf der Menge und nicht mehr auf dem Abzählen. Das ist bereits ein großer Fortschritt, denn dein Kind kann sich ab jetzt auf das Rechnen konzentrieren.

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Tipp 2: Achte auf ein sicheres Mengenverständnis

Warum?

  • Ein sicheres Mengenverständnis ist die Grundlage für alle weiteren Anforderungen beim Rechnen.
  • In der Schule wird es nicht immer erarbeitet, damit gerät dein Kind gegenüber den anderen Kindern in Rückstand.
  • Für diesen Schritt braucht dein Kind Begleitung.

Was tun?

Fehlt deinem Kind das Mengenverständnis, baust du es über zwei Übungen auf: das Vergleichen von Mengen und das Zerlegen von Mengen. Welche Übung wann kommt, wie du dabei vorgehst und woran du merkst, dass dein Kind es verstanden hat, liest du in Mengenverständnis fördern.

Was du schon vor der Schule anlegen kannst, steht in Mathe vor der Einschulung, und den Überblick über das Thema bekommst du in Rechenschwäche.

Tipp 3: Dein Kind sollte immer verstehen, worum es geht

Warum?

  • Rechnen ist logisch aufgebaut und klar strukturiert.
  • Unser Stellenwertsystem, also die Regel, dass eine Ziffer je nach Position Einer, Zehner oder Hunderter bedeutet, ist eine Vereinbarung, die alle kennen und beachten müssen.

Fehlen deinem Kind diese Grundlagen, ist das Rechnen erschwert und die Aufgaben ergeben für dein Kind keinen Sinn.

Was tun?

Fördere das Rechenverständnis deines Kindes. Lies die Aufgabe gemeinsam mit ihm oder frag nach Geschichten dazu. Plus ist zum Beispiel ein „dazu", am Ende ist also mehr da als vorher. Eine Geschichte dazu wäre: Ein Vogel sitzt auf einem Baum. Er ist allein und singt. Da kommen noch drei weitere Vögel und setzen sich zu ihm. Jetzt ist er nicht mehr allein, es sind vier Vögel, die zusammen singen. Aufgeschrieben heißt die Aufgabe dann 1+3=4.

Tipp 4: Bring deinem Kind keine Rechentricks bei

Warum?

Rechentricks behindern das Verstehen.

  • Ein Trick wird meist deshalb beigebracht, weil Eltern verzweifelt versuchen, ihrem Kind das Rechnen zu erleichtern.
  • Den Trick versteht dein Kind aber nur, wenn es rechnen kann. Und dann braucht es keine Tricks mehr.
  • Denk auch nicht, dein Kind müsste genauso rechnen wie du. Viele Wege führen nach Rom, und dein Rechenweg muss für dein Kind nicht der beste oder naheliegendste sein.

Was tun?

Lass dir von deinem Kind erklären, wie es rechnet und warum es so vorgeht. Das gelingt gut, nachdem ihr eine Aufgabe gemeinsam gelesen und in eine Geschichte übersetzt habt, siehe Tipp 3.

Frag dann nach einer Lösung: „Kannst du ausrechnen, wie viele es zusammen sind? Wie machst du das?" Hat dein Kind eine Idee, besprecht sie gemeinsam. Wichtig ist nicht, was am Ende herauskommt, sondern ob der Rechenweg passt und ob dein Kind damit schnell zum Ergebnis kommt. Die Aufgabe 3 plus 9 ist zum Beispiel einfacher und schneller gelöst, wenn dein Kind 9 plus 1 plus 2 rechnet statt 3 plus 7 plus 2.

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Tipp 5: Verschleppe keine Probleme

Warum?

Je länger das Problem beim Rechnen besteht, desto fester setzt sich die ungünstige Strategie, und desto größer wird der Motivationsverlust. Aus meiner Erfahrung ist ein Problem, das nicht relativ schnell wieder vom Tisch ist, meist grundlegender Art und zeigt, dass Basiskenntnisse fehlen oder nicht richtig aufgebaut wurden. Wird dann zu lange abgewartet, wird das Problem größer statt kleiner, und die Rückstände sind mit der Zeit immer schwerer aufzuholen.

Was tun?

Zeigt dein Kind Probleme beim Rechnen und halten diese ein paar Wochen an, dann werde aktiv. Lass dich auch nicht von der Lehrkraft beruhigen, sondern hör auf deine innere Stimme.

Du hast mit großer Wahrscheinlichkeit kein Mathe studiert, dafür kennst du dein Kind ganz genau. Lass nicht zu, dass es immer mehr an Selbstwert verliert und sich am Ende für dumm hält. Du kannst ihm helfen.

Im Eltern-Rechenerfolgskurs leite ich Eltern dazu an, ihrem Kind selbst zu helfen. Denn einmal in der Woche extern üben reicht bei den meisten Kindern nicht aus. Wenn du deinem Kind helfen möchtest, brauchst du:

  • Ein gut funktionierendes, praxiserprobtes System
  • Erklärungen, die du auch als Mathelaie verstehen kannst
  • Begleitung bei individuellen Fragen
  • Einen Überblick darüber, wo dein Kind in Mathe gerade steht

Zusammenfassung

Übersicht der fünf Tipps, mit denen Eltern eine Rechenschwäche beim Kind vermeiden

In diesem Beitrag habe ich die Elemente zusammengefasst, die dir als Elternteil aus meiner Sicht helfen, eine Rechenschwäche bei deinem Kind zu vermeiden. Ich weiß aus der Praxis, dass das gut funktioniert. Ich weiß aber auch, dass das Üben mit dem eigenen Kind ohne Plan nicht einfach ist, weil so viele Dinge hineinspielen: die Schule, das Kind selbst, die bisherigen Übungen, das Lehrwerk.

Wenn dich die Situation deines Kindes gerade überfordert und du einen roten Faden suchst, der dich beim Üben von A nach B führt, dann schau dir meinen Rechenerfolgskurs für Eltern hier an.

Deine Christine Strauß-Ehret

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Christine zeigt dir live, warum Kinder in Klasse 1 bis 3 beim Rechnen hängen bleiben und wie du die Lücke von unten her schließt. Deine Fragen kannst du direkt stellen. Die Teilnahme kostet nichts.

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Christine Strauß-Ehret, Gründerin des Würfelhaus-Konzepts

Über die Autorin: Christine Strauß-Ehret war zwanzig Jahre lang Grundschul- und Förderlehrerin und hat die Würfelhaus-Methode entwickelt. Sie begleitet Familien, deren Kinder in der Grundschule Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben.

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