3 Gründe gegen Dyskalkulietests

Du bist hier gelandet, weil du wissen willst, ob ein Dyskalkulietest für dein Kind sinnvoll ist. Wenn du zuerst wissen möchtest, wie so ein Test überhaupt abläuft, wer ihn durchführt und woran du eine gute Testung erkennst, findest du das hier: Dyskalkulie-Test: Ablauf, Anbieter und was er bringt, samt einem Selbst-Check für zu Hause. Auf dieser Seite geht es um etwas anderes, nämlich um die Gründe, die aus meiner Sicht gegen eine Testung sprechen.

​Ich hab einfach mal "Dyskalkulietest" gegoogelt...

und bin dabei auf rund 45000 Ergebnisse gestoßen. Ich wusste gar nicht, dass es soviel zu diesem Thema zu lesen gibt! Aber klar, wenn ein Kind Probleme beim Rechnen hat, dann muss wohl getestet werden. Aber auf was genau?

Darauf ob das Kind eine mathematische "Störung" hat, oder ob es nicht "intelligent" genug ist, oder welche Schwierigkeiten es beim Rechnen genau zeigt? Und die noch größere Frage: Was bringt eine Testungüberhaupt?

Dieser Artikel soll dazu beitragen, betroffene Eltern „wachzurütteln“. Ein Gutachten ist für die meisten Kinder meiner Meinung nach nicht wirklich eine gute Lösung. Die Nachteile überwiegen... . Ich gehe hier nicht auf einzelne Definitionen oder auf standardisierte Testverfahren ein, dazu gibt es schon genug Informationen im Netz.

Fangen wir von Vorne an:

Wenn ein Kind auf „Rechenschwäche“ oder „Dyskalkulie“ getestet wird, dann muss ein Erwachsener diese Testung veranlassen. Ergo muss jemand bemerken, dass das Kind Probleme beim Erwerb bestimmter Rechenkompetenzen hat.Wem fällt sowas auf und wo?Mir fällt da an erster Stelle die Schule ein.

So war es auch bei Marlene.

Ich lernte Marlene kennen als sie bereits in der 2. Klasse war. Ein „Dyskalkulie-Gutachten“ hatte sie aber schon seit Ende der ersten Klasse. Dieses Gutachten war von einem Psychologen erstellt und beinhaltete eine Menge Zahlen und standardisierte Werte. Das Ergebnis war eindeutig: Marlenes Leistungen in Mathe entsprachen nicht der "Norm" sondern waren unterdurchschnittlich. Im Fach Deutsch lagen ihre Leistungen im Klassendurchschnitt.

Wie kam Marlene zu diesem Gutachten?

Schon zu Beginn der 1. Klasse kam Marlene beim Rechnen nicht richtig mit. Sie zählte alle Aufgaben von vorne aus, brauchte sehr lange, war unsicher und konnte nicht einschätzen, ob die Ergebnisse auch richtig waren. Klar, sie waren meist falsch, denn Marlene zählte die erste Zahl einfach nochmal mit.

Bsp.: 4+3: 1,2,3,4 (und jetzt war sie beim 4. Finger) plus 1,2,3 (1 war der 4. Finger nochmal) ergab für Marlene 6.

Die anderen Kinder in der Klasse konnten inzwischen alle bis 20 rechnen (auch wenn Einige davon auch noch abzählten), aber Marlene lag einfach zu weit hinter ihnen zurück.

Ein klarer Fall für die Lehrerin: Marlene musste wohl die Rechenprobleme der Mutter geerbt haben... . Sie empfahl noch in der ersten Klasse eine Gutachtenerstellung. Nach einer erfolgreichen Testung in mehreren Sitzungen lagdas Ergebnis auf dem Tisch: Marlene hat eine „Dyskalkulie“.

Die Konsequenzen des Gutachtens:

  • Die Lehrerin von Marlene gab ihr, sobald die Testergebnisse vorlagen, nur noch leichtere Aufgaben. Sie durfte in ihrem Tempo lernen. Was bedeutete, dass sie so weitermachte wie bisher. Dadurch, dass Marlene kein Verständnis für Mengen und Zahlen besaß, tat sie einfach das, was sie auch schon im Kindergarten übte: Vorwärts-und Rückwärtszählen.

Marlene verstand also gar nicht, was sie da rechnete, sie konnte die Zahlen nicht miteinander in Verbindung setzen undund demzufolge wusste sie nie, ob sie nun die Aufgabe richtig ausrechnete oder falsch.Den Klassenlernstand aufholen? NIEMALS. Nicht daran zu denken!

  • Das Gutachten bewirkte eine Entlastung für Marlene und auch für Ihre Eltern. Die Mutter gestand mir im Gespräch, dass sie selbst auch unter einer Rechenschwäche litt. Sie konnte mit ihrer Tochter nicht üben und das machte sie hilflos und abhängig von der Meinung der Lehrerin. Zudem plagten sie Schuldgefühle weil sie annahm, dass ihre Tochter diese Rechenprobleme wohl von ihr geerbt hatte. Das Gutachten attestierte, dass hier eine "Teilleistungsstörung" vorlag. Marlene hatte nun weniger Stress in der Schule (aus Sicht der Lehrerin) und die Mutter natürlich auch.

Marlene schämte sich...

Als ich Marlene Mitte der 2. Klasse kennen lernte, war sie schüchtern. Sie schämte sich, dass sie immer noch bis 10 rechnete und wollte nichts mehr, als genausogut rechnen können wie Ihre Klassenkameraden. Dadurch stand Marlene permanent unter Stress. Und dieser war durch das Gutachten nicht weg. Nein, im Gegenteil.

Ich fragte sie ein paar einfache Fragen an deren Antworten ich sehen konnte, ob Marlene bereits ein Verständnis für Mengen und Zahlen bis 10 entwickeln konnte. Mit diesen Fragen konnte ich sofort einschätzen, wie gravierend die Rechenprobleme von Marlene wirklich waren. Und vor allem: Was die Ursache der Probleme war.

Für mich war sofort klar: Marlene brauchte eine andere Lernmethode. Ich leitete Marlenes Mutter mit meinem Würfelhaus-Konzept an und sie übte mit Ihrer Tochter fleißig nach Plan. Nach nur 7 Wochenkonnte Marlenen nicht nur sicher bis 10, sondern auch bis 20 und sogar bis 100 rechnen!

Marlene war wie ausgewechselt. Sie freute sich über ihre Erfolge! Ihr Selbstbewusstsein bekam endlich wieder neuen Aufschwung...! 

Eltern-Rechenerfolgskurs

3 Gründe gegen einen Test

  • Ein Test sagt lediglich aus, was ein Kind kann und was es nicht kann. Die Werte werden dann mit einer Norm verglichen (bei standardisierten Tests) und über einen Prozentrang bestimmt. Wieviel % liegt Marlene unter dem Durchnitt der Testgruppe? Was der Test nicht aussagt: Was genau die Problemstelle im Rechnen ist und was der nächste Lernschritt. Und vor allem: WIE Marlene üben soll.
  • Der Test bringt Entlastung, aber wem? Die Lehrkraft musste sich weniger Gedanken machen, denn Marlene brauchte einfach nur "einfachere" Aufgaben und davon wenige. Im Rechnen selbst ist sie durch die Schule nicht weiter gekommen, weil sie dort immerzu das Gleiche geübt hat: Aufgaben mit den Fingern ausrechnen. Tja, aber Zählen ist eben nicht Rechnen.
  • Ein Dyskalkulietest bescheinigt dem Kind, dass es nicht gut rechnen kann. Für Marlene war das eine Katastrophe. Sie entwickelte den Glaubenssatz: "Ich bin zu dumm zum Rechnen". Dementsprechend war sie ängstlich, gestresst und zweifelte an sich selbst. Ein Test hat sichtlich auch Auswirkungen auf die Psyche des Kindes und wahrscheinlich sogar bis ins Erwachsenenalter hinein.

Marlenes Lernverlauf zeigt deutlich: Dyskalkulie oder Rechenschwäche muss nicht sein! Hat ein Kind laufen und sprechen gelernt, ist es auch in der Lage rechnen zu lernen!

Was hinter der Diagnose steckt, ordnet Ist Dyskalkulie eine Krankheit? ein. Woran du die Schwierigkeiten selbst erkennst, steht in Dyskalkulie erkennen, und was einem Kind wirklich weiterhilft, in Dyskalkulie: was hilft.

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Ich habe bei Google gelesen, dass es nun sogar einen Dyskalkulietest für Kindergartenkinder gibt. Da fehlen mir die Worte…

Deine

Christine Strauß-Ehret

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Über die Autorin: Christine Strauß-Ehret war zwanzig Jahre lang Grundschul- und Förderlehrerin und hat die Würfelhaus-Methode entwickelt. Sie begleitet Familien, deren Kinder in der Grundschule Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben.

2 Antworten

Carmen Havertz

Carmen Havertz

August 18, 2026

Meine jüngste Tochter wurde vor ca. 20 Jahren auch auf Dyskalkulie getestet und dabei kam heraus, dass sie auf einem Parameter dargestellt kurz vor einer Dyskalkulie stehe.
Damals wurden dann schon alle Augen zugedeckt damit sie keine 5 oder 6 auf dem Zeugnis hatte, geholfen hat uns niemand, ich habe mir dann Spiele mit Knöpfen und Kronkorken zusammengebastelt und mit beiden Kindern spielerisch versucht ihnen das Zahlenverständnis näher zu bringen, denn beide Mädchen waren nicht so gut im Rechnen.
Ein langer Weg mit vielen Tränen inklusive einmal sitzenbleiben mit allem dazugehörigen psychischen Stress für die Kinder und auch für uns. Deshalb bin ich so froh, dass es nun andere Lösungsansätze wie das Würfelhausprinzip und kompetente Unterstützung gibt, weil ich nicht möchte, dass meine Enkel evt. die gleichen Probleme bekommen wie ihre Mütter.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass beide Mädchen ihren schulischen Weg gegangen sind, bis zum Fachabitur und guten Berufsausbildungen.

Lidia

Lidia

August 18, 2026

Hallo Christine,
meiner Tochter ging es nicht anders.
Genauso wie bei der Marlenes, haben mich die Lehrerinnen schon in der Ersten Klasse auf die Matheschwäche bei meiner Tochter angesprochen.
Die wurde vom Schulpsyhologin getestet wo dann die Ergebnisse % mir mitgeteilt wurden, es waren im unterdurchschnittlichen Bereich.

Die haben mir auch auf die Psychologiesche Lerntherapie geraten.
Ich habe mich aber immer weiter davon nicht überzeugt lassen.
Wir haben mit meiner Tochter dann in der zweiten Klasse eine Nachhilfe in Mathe besucht wo ich gemerkt habe es klappt auch nicht.
Es endete im Sommer 2023.
In der 3 Klasse war sie genauso mit ihren Schwächen in Mathematik wie davor.

Nun waren ich auf der Suche nach einer Wirksamen methode die meiner Tochter voran bringt und ich bin auf das Würfelhaus Konzept gestoßen.
Wir sind seit Dezember dabei und schon in den ersten Wochen hat sie verstanden wie es funktioniert.
Es brauch natürlich Zeit aber ich bin davon überzeugt dass wir es schaffen alles aufzuholen.

Die Hausaufgaben machen wir nur noch mit dem Würfelhaus und ich muss sagen sie benützt ihre Finger überhaupt nicht mehr.
Es ist sehr schnell gegangen dass sie das verstanden hat und es macht ihr viel Spaß weil es wie ein Spiel aufgebaut ist.

Und die Kinder merken alles viel schneller wenn es Spaß macht und lustig ist.

Wir müssen natürlich noch üben und das gute ist ich sehe die Veränderungen bei meiner Tochter.

Vielen Dank
LG Lidia

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