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Zehnerübergang Plus in 10 Minuten gelernt!

Können Sie 7 + 9 schnell rechnen? Und kommen Sie auf das richtige Ergebnis? Na klar! Ist doch einfach! Die Frage ist allerdings, wie Sie den Zehnerübergang errechnet haben. Auswendig gewusst? Gerechnet? Wie genau? Zur 7 noch 3 dazu und dann den Rest, oder zur 9 noch 1 dazu und dann den Rest? Oder 5 + 5+ 2 + 4? 

So einfach ist es also doch nicht. Für viele Kinder ist der Zehnerübergang schwierig. Und in der Schule ist es mittlerweile so, dass der Zehnerübergang teilweise gar nicht mehr thematisiert wird. In der Hoffnung, dass dann weniger Probleme entstehen. 

Tatsache ist, dass etliche Kinder den Zehnerübergang über das Weiterzahlen lösen. Zum Beispiel bei 7+9: Bis 7 zählen (1,2,3,4,5,6,7), dann weitermachen (jeden Finger einzeln aufstrecken, dabei aber bis 9 zählen (1,2,3,4,5,6,7,8,9) und dann schauen, wie viele Finger das zusammen sind. Da wir aber nur 10 Finger haben, gibt es da schon das erste Problem. Die Ergebnisse sind dann völlig falsch. Damit das nicht passiert, erhalten die Kinder meist eine Rechenhilfe, an der sie dann die Aufgabe auch wieder zählend lösen können (z.B. Rechenkette). Diese Hilfe ist aber nicht wirklich hilfreich, sondern führt immer tiefer in die Sackgasse des Zählens!!!  Und vor allem: Die Kinder verstehen nicht, was sie tun!

Wird der Zehnerübergang also gar nicht wirklich gelernt, sondern nur das Weiterzahlen geübt, wird das das Kind nicht verstehend rechnen können. Überhaupt ist es schwierig, den Zehnerübergang zu verstehen, wenn kein Mengenverständnis vorhanden ist. 

Was also tun?

Mit dem strukturierten Material aus dem Würfelhaus-Konzept und der passenden Anleitung am Kind kann jedes Grundschulkind den Zehnerübergang innerhalb von 10 - 15 Minuten sowohl verstehen als auch richtig rechnen lernen! 

So müssen Sie vorgehen: 

  1. Speichern Sie mit dem Kind die Würfelbilder bis 10. Das Kind sollte jede Menge schnell erkennen können ohne abzuzählen. 
  2. Legen Sie die zwei Zahlen (z.B.) 7 + 9 z.B. mit Plättchen (einfarbig!) als Würfelbilder auf den Tisch. Achten Sie darauf, dass die zwei Bilder nicht so dicht aneinander liegen.
  3. Stellen Sie die Ausgangsfrage: "Stell dir vor, du hast 7 Bonbons und ich hab 9. Wie kannst du herausfinden, wie viele wir zusammen haben?" Das Kind wird jetzt eine Lösung präsentieren, diese kann ganz unterschiedlich aussehen. Wahrscheinlich ist das Ergebnis aber nicht richtig oder eben einfach ausgezählt. 
  4. Jetzt klären Sie mit dem Kind, dass es wichtig ist - wenn es so viele einzelne Bonbons sind, nämlich mehr als 10 - 10er zu bilden. Zeigen Sie ihm dazu einen fertigen Zehner als Würfelbild. Jetzt fragen Sie das Kind: "Was meinst du, bei welche Zahl ist es für dich einfacher eine 10 zu machen? Bei der 7 oder bei der 9?" Wenn es nicht spontan antwortet, geben Sie noch eine Hilfe: "Wie viele fehlen bei der 7 noch, bis es 10 sind?" Danach: ""Wie viele fehlen noch bei der 9, bis es 10 sind?" Dann wiederholen Sie die erste Frage noch einmal. 
  5. Wenn das Kind gemerkt hat, dass es bei der 9 einfacher ist (weil ja nur noch Eins fehlt), fordern Sie es dazu auf, einen Zehner zu "machen". Das Kind wird dies tun, indem es ein Plättchen von der 7 zu der 9 schiebt. Sie fragen nun: "Wie viele sind es jetzt bei dir? Wie viele sind es jetzt bei mir?" Danach: "Und zusammen sind das 16:  6 Einzelne (oder Übrige) und 1 Zehner." Helfen Sie dem Kind, indem Sie zuerst auf die 6 Übrigen und dann auf die Zehn zeigen, während Sie die Zahl sagen. Sie können das Kind auch direkt darauf aufmerksam machen: "Fange immer bei den Einern (Einzelne, Übrige) an zu reden".
  6. Es gibt auch noch andere Wege zur Lösung zu kommen, z.B. kann das Kind die zwei unteren Fünfer zu einer Zehn zusammenfügen. Bleiben Sie flexibel und achten Sie darauf, dass das Kind logisch und strukturiert handelt.
  7. Wenn Sie so mit dem Kind verschiedene Aufgaben handeln geübt (geschoben) haben, dann lassen Sie das Kind nicht mehr schieben. Sie gehen den Prozess von der Aufgabenstellung bis zur Lösung genauso durch, nur dass Sie dieses Mal die Plättchen nicht bewegen lassen, sondern mit der inneren Vorstellung arbeiten: "Stell dir vor..." "Was würdest du tun?"
  8. Wenn das Kind dies auch gut kann, decken Sie die zweite Zahl (Menge) ab. Lassen Sie das Kind nur schauen, wenn es die Lösung nicht herstellen kann.
  9. Wenn das Kind in der Lage ist, sich die zuvor geübte Handlung im Kopf vorzustellen, können Sie nur noch mit Zahlen arbeiten. Bei Problemen immer mit dem Bild (oder sogar der Handlung) weiterhelfen.

​Ich kann mir vorstellen, dass sich das für Sie eventuell kompliziert anhört, bzw. sich nicht so einfach liest. Einmal durchgeführt werden Sie jedoch merken, dass es ganz einfach ist! Und dass das Kind dies ganz schnell versteht!  Ich kann Ihnen versichern, es funktioniert! Probieren Sie es aus....Bei Fragen können Sie mich gerne kontaktieren.

Viel Erfolg!

Ihre Christine Strauß-Ehret​

Ist Dyskalkulie eine Krankheit?

Glauben Sie auch, dass Kinder, die nicht rechnen können an einer Krankheit leiden? Ich nicht!  Wenn ich Dyskalkulie google, erhalte ich unfassbare 658.000 Ergebnisse. Therapievorschläge, Erklärversuche, Forenangaben, seiten von Elternverbänden etc. Und das Keywort hat ungefähr 18000 Suchanfragen jeden Monat! Diese Menschen bemühen sich wohl, eine Erklärung zum Phänomen „Dyskalkulie“ zu finden, bzw. erhoffen sich über diese Informationen und Förderkonzepte konkrete Hilfestellungen. Gehören Sie auch dazu?

In meiner Vorstellung sehe ich all die kleinen Kinder in der Grundschule, die mit dem Etikett „du kannst nicht rechnen“ versehen werden und für die damit der begonnene Leidensweg dennoch kein Ende nimmt. Ich will hier gar nicht weiter auf die verschiedenen Definitionen die es dafür gibt eingehen, sondern meine Erfahrungen mit Kindern die diese Diagnose haben, schildern. Seit Jahren arbeite ich fast ausschließlich mit Kindern die Probleme beim Rechnen zeigen (darunter waren auch schon viele Kinder mit dem besagten Gutachten) und stelle immer wieder erstaunt fest, dass die Eltern den Lehrern wirklich glauben, wenn diese behaupten, dass das Kind das Problem ist. Das Kind kann nicht rechnen, verwechselt die Zahlen, rechnet alles mit den Fingern, braucht zu lange, braucht viele Hilfestellungen, schreibt schlechte Noten etc. Wenn mir die Eltern dann erzählen, wie und mit was das Kind gelernt hat, welche Übungen es machen musste, wie fleißig es bisher übte und wie deprimiert das Kind jetzt gerade sei, weil es sich für dumm hält, bin ich meist erst empört, dann tief traurig. Wer ist der Sündenbock? Das Kind und vielleicht auch noch die Eltern, die nicht genug geübt haben?

In vielen Fällen ist dies nicht wahr. Wenn ein Grundschulkind nicht rechnen lernt, so ist dieser Umstand fast ausschließlich das Ergebnis eines schlechten Unterrichts, einer schlechten Vermittlung oder eines schlechten Lehrwerkes oder eine Mischung von allem. Und was erschwerend hinzu kommt: Es fehlt an an den Schulen meist ein Verständnis für Basisanforderungen. Was sollte ein Kind zumindest können und was braucht es nicht wirklich, erschwert nur das Lernen und ist reine „Abüberei?“.  Hier wird sich zu stark an den Vorgaben der sog. Lehrwerke gehalten, nach dem Motto „alle Kinder sollten am Ende alles können“. Warum? Was macht das für einen Sinn? Kommazahlen in der 3. Klasse, Größen – Umrechnungen und Sachaufgaben die manchen Erwachsenen noch straucheln lassen. Eine Qual für viele Kinder, zumal wenn das Basisverständnis fehlt.  Kein Wunder, wenn sich Eltern und Lehrkräfte nach einer Lösung sehnen, nach einer plausiblen Erklärung für all das Nicht – Verstehen trotz gut gemeinter Erklärungen, für die Sorgen und tränenreichen Nachmittage.

Dyskalkulie scheint da die Rettung. Mein Kind ist nicht zu dumm, es kann nichts dafür, es ist einfach krank! Nein eben nicht! Bitte liebe Eltern und Lehrkräfte wacht auf! DAS KIND IST NICHT DAS PROBLEM! Schauen Sie sich mal in aller Ruhe die Hefte und Bücher der Kinder in Mathe an. Und dann hinterfragen Sie, wie Sie Mathe vermitteln bzw. wie das Kind das Rechnen lernt. Können da auch Kinder mitkommen und verstehen, die nicht sowieso schon alles in Mathe können? An welcher Stelle ist das Kind ausgestiegen und warum? Was braucht es, damit es verstehen kann?

Dyskalkulie ist für mich keine Krankheit und bedarf auch keiner Diagnose (die erstmal auch nicht weiterbringt). In meiner Erfahrung ist Dyskalkulie vermeidbar! Sie glauben es nicht? Hätte Ivonne schön früher eine gute Hilfe gehabt, wäre das Gutachten nicht nötig gewesen… Sehen Sie dazu den Film „Ivonne lernt rechnen“. Und wenn Sie anderer Meinung sind, freue ich mich über Ihren Kommentar.

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Herzlichst

Ihre Christine Strauß-Ehret

 

   

Ein halbes Schuljahr voraus…

Das ist Jannis, ein Erstklässer. Schon von Anfang an hatte er ein sicheres Mengenverständnis und verfügte bereits über einen sogenannten „Zahlenblick“. Das kann relativ schnell und einfach festgestellt werden: Die Frage wie es denn mit den Zahlen nach 99 weitergeht, beantwortete er korrekt mit 100, 101, 102… Die meisten Kinder sagen dann: 100, 200, 300. Jannis kannte somit den Zahlenaufbau schon und konnte problemlos mit allen Zahlen umgehen.  

Seine Klasse arbeitete von Anfang an mit den Heften aus dem Würfelhaus-Verlag, was für Janis einfach war. Noch vor den Weihnachtsferien begann er mit der Lernplanarbeit. Er schrieb immer nur die Tests bis zu der Stelle, an der er von alleine nicht mehr weiterkam. Beim zweistelligen Zehnerübergang wurden ihm kurzfristig Bildübungen aus dem Würfelhaus-Konzept angeboten. Da Jannis die Würfelbildmengen kannte, gelang ihm die Nutzung sehr gut. Verdoppeln und Halbieren war danach wieder unproblematisch. Nach den Sommerferien (zu Beginn der 2. Klasse) wird Jannis mit den mathematischen Themen Mal und Geteilt anfangen. 

Kinder -die wie Janis mit Mathe gut können – gibt es in jeder ersten Klasse! Leider werden sie oft nicht wirklich sinnvoll differenziert. Meistens arbeiten sie Zusatzblätter ab mit der Folge, dass die Motivation ausgebremst wird (wer will schon freiwillig mehr machen? Und vor allem Aufgaben die eh zu leicht sind?). Schnell können aus dieser Unzufriedenheit heraus Verhaltensprobleme entstehen. 

Bei Jannis ist es anders. Er ist da, wo er gerade steht und arbeitet sich im Lernplan einfach weiter voran. Ohne Vergleich, ohne Ausbremsen, strukturiert und geplant. Auch seine Mitschüler rechnen jetzt -Ende der 1. Klasse- schon bis 100. Sie alle haben ein gesichertes Mengenverständnis und können Mengen bis 100 miteinander vergleichen und in mehrere Teilmengen zerlegen.

Denn im Würfelhaus-Konzept wird der Zahlenraum bis 20 nur angedeutet. Die (etwa) 6 Monate, die normalerweise an Schulen für den Zahlenraum bis 20 verwendet werden, sind in meinen Augen Zeitverschwendung; diese Zeit fehlt einigen Kindern später. Kinder wie Jannis sind ein ganzes Jahr unterfordert, die anderen verfestigen zum Teil durch das permanete zählende Rechnen ihre uneffktiven Rechenstrategien und kommen dann im Zahlenraum bis 100 nicht mehr weiter. Schnell wird die Zeit bis zum Ende des zweiten Schuljahres knapp. 

Ich freue mich immer wieder von Neuem daran, wenn ich sehe, was die Erstklässer schon leisten können, wenn man ihnen die richtige Hilfe gibt und sie Schritt für Schritt auf ihrem Weg die Zahlenräume zu erobern, begleitet. 

haendeMit der Lernplanarbeit aus dem Würfelhaus-Konzept ist das gut möglich. Jedes Kind übt da, wo es gerade steht. Alle unterstützen sich gegenseitig und alle kommen gut voran. Kein Kind bleibt in Mathe zurück.

Als Lehrerin stellt mich diese Arbeit sehr zufrieden. 

Auf dem Bild zeigt Jannis stolz seine Leistungen zum Arbeitsauftrag: „Wähle dir eine Zahl und verdopple sie so weit du kommst“…die Pausenglocke beendete die Arbeitszeit. Er hätte locker noch viel weiter gerechnet…

Ihre

Christine Strauß-Ehret

 

Zufriedenheit ist lernbar!

„Träume nicht vom Leben – sondern lebe deinen Traum.

Einfach alles ist möglich, wenn man sich erstmal traut.“

Jan Wilsker (2014) Auszug aus Songtext zu DU it!‚Alles ist möglich‘

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben?

Lebenszufriedenheit ist vermutlich die bisher am meisten untersuchte Messgröße in der positiven Psychologie – auch deshalb, weil sich in vielen Studien gezeigt hat, dass sie eng mit vielen weiteren positiven Konsequenzen (z.B. mehr Selbstwertgefühl, Kreativität, physische Gesundheit, eine funktionierende Partnerschaft u.v.m. einhergeht).

D.h. Zufriedenheit ist nicht nur ein Ziel, sondern durchaus auch ein Mittel; sie kann Weg und Ziel zugleich sein. Denn letztlich ist nicht das Erreichen einzelner Ziele das, was uns zufrieden macht. Wir sind viel mehr als nur ein ‚Ziel‘, das verwirklicht wird. Es geht essentiell um die Erfahrung der ‚geistigen Freiheit‘,die uns befähigt, uns in unser Leben hinein zu entspannen und Freude am kreativen ‚Lebensspiel‘ zu haben.

Welche Menschen sind zufrieden und was macht eigentlich Lebenszufriedenheit aus? Und – ist Zufriedenheit lernbar?

Hunderte wissenschaftliche Studien zum Thema ‚subjektives Wohlbefinden‘ haben gezeigt:

  • 50% unseres subjektiven Wohlbefindens sind genetisch vorbestimmt
  • 10% unseres Wohlbefindens hängen von externen Faktoren ab (Lebensort, Gesundheit, etc.)
  • 40% bleiben damit in unserer Hand

„40% unseres persönlichen Wohlbefindens können wir dadurch beeinflussen, wie wir uns konkret verhalten und wie wir über unser Land, unsere Gesundheit, unsere Partner – sowie Gott und die Welt – denken und fühlen.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich eine Aufforderung der Übernahme von Selbstverantwortung für unseren eigenen Zufriedenheitsgrad ablesen. Es ist sicher ‚einfacher‘, die Lebensumstände für das gesamte eigene Wohlbefinden verantwortlich zu machen, als einen gesunden Grad an Selbstverantwortung zu übernehmen. Zielführend im Sinne von ‚gesund‘ ist dies jedoch keinesfalls und kann im schlimmsten Fall zu Depressionen und psychosomatischen Krankheiten führen. Denn wer sich stets als ‚Opfer‘ der Umstände sieht, kann die eigene ‚schöpferische‘ Kraft nicht sehen, fühlen und als Ressource nutzen!

„Für nachhaltigen Erfolg musst Du bereit sein, 100% Verantwortung für das Erleben deiner Wirklichkeit zu übernehmen!“

Zufrieden ist, wer lernt selbstverantwortlich zu handeln, sich für sich selbst achtsam zu engagieren und ggf. auch ‚neue Wege‘ zu gehen, z.B. durch die Etablierung neuer Verhaltens- und Denkmuster. Hierauf zielt auch der Begriff ‚‚Empowerment‘ ab: ein Begriff, der in den letzten Jahren in Schulen im Kontext der Diskussion ‚Lehrergesundheit – Gesundheit im System Schule‘ Eingang findet und auf die Fähigkeit eines Menschen abzielt, seine soziale Lebenswelt und sein Leben selbst zu gestalten und sich nicht gestalten zu lassen“.

Impulse:

  • Wann haben Sie das letzte Mal jemandem die Schuld für Ihre Gefühle gegeben? Was wäre, wenn Sie dafür 100 % in die Verantwortung gehen?
  • Was tun Sie bewusst jeden Tag für Ihre Zufriedenheit? Und was fehlt Ihnen noch?
  • Betrachten Sie sich im Spiegel: Körperhaltung, Gesicht, Augen? Verändern Sie diese Haltung positiv und beobachten Sie, wie sich das anfühlt. Was könnten Sie generell verändern?

Kinder die mit dem Selbstwirksamkeitskurs Du!iT konfrontiert werden, lernen früh, wie Körper und Gefühlszustand miteinander zusammenhängen, sich gegenseitig bedingen. Sie erfahren über wirksame Übungen Achtsamkeit, erproben sich in Empathie und beginnen über die persönliche Zielsetzung mit der bewussten Mitgestaltung ihres Lebens.

So wie Nadine, deren Ziel es ist mutiger zu werden…

 

 

 

Ihre

Christine Strauß-Ehret

 

Lesefalle Buchstabieren…

Tim ist ein Kind in der zweiten Klasse. Er kann gut rechnen, aber das Lesen und Schreiben fällt ihm schwer. Er liest langsam, buchstabiert dabei noch und schreibt Wörter nach Gehör und damit oft falsch. Denn 80% aller Wörter sind nicht lautgetreu und können somit nicht richtig abgehört werden! Tim hat in der ersten Klasse gelernt, wie man die einzelnen Buchstaben ausspricht, wie sie aussehen (und geschrieben werden) und wie sie sich anhören (in der Fachsprache nennt sich das Phonem-Grafem-Korrespondenz). Mühsam hat er die Buchstaben zusammengezogen, erst Silben, dann Wörter und nun soll er ganze Texte (die ja aus einzelnen Wörtern bestehen) erlesen. Der Junge ist demotiviert, oft hat er keine Lust zu lesen. Für mich ist das logisch. Ich hätte auch keine Lust, ständig etwas zu tun, was ich nicht kann und was durch das permanente Üben auch nicht wirklich besser wird. Passend dazu eine generelle Erkenntnis von erfolgreichen Menschen:

„Wenn du etwas immer in der gleichen Art und Weise tust, wirst du auch immer die gleichen Ergebnsse hervorbringen. Andere Ergebnisse erreichst du nur, wenn du etwas auf eine andere Art und Weise tust.“ 

Sprich: veränderst! 

kids-1093758__180Also Veränderung ist der Schlüssel für Tim. Er muss seine bisherige Lese – und Rechtschreibstrategie verändern! Nur so, wird er weiterkommen!

In den Grundschulen beobachte ich oft, dass im Deutschunterricht die alfabetische Strategie (also das Erlesen der einzelnen Buchstaben und das Abhören beim Schreiben) stark überwiegt und deshalb viele Kinder diese Strategie durch Übung so verfestigen, dass sie den Sprung zum sicheren und schnelleren Leser/ Schreiber nicht schaffen. Adäquat zum Zählenden Rechnen! Was also fehlt und für diese Kinder dringend nötig wäre ist eine visuelle Strategie, bei der die Wortbilder abgespeichert werden!   

Mal ehrlich: Was tun Sie,wenn Sie sich nicht sicher sind, wie ein Wort geschrieben wird und sie keinen Duden oder google zur Hand haben? 

Ich glaube es zu wissen: Sie schreiben das Wort auf und schauen sich genau an, ob es richtig oder falsch „aussieht“. Damit kontrollieren Sie über das Auge und vergleichen das geschriebene Wort mit dem bereits abgespeicherten (inneren) Wortbild! Warum das Tim so nicht macht? Weil er noch keine repräsentativen (also richtigen) Wortbilder abspeichert konnte. Wie soll er das auch üben, wenn er immer nur buchstabiert?   

Also: Kinder die schreiben, wie sie sprechen, müssen das Abspeichern von Wörtern üben! Das, was das Gehirn der sicheren Leser automatisch beim Lesen macht. Leider wird diese Strategie in der Schule viel zu wenig und oft nicht richtig angeboten. In Tim’s Schule kennt das die Lehrerin gar nicht.

Gerade erst wurde Tim zur Überprüfung einer Lese- Rechtschreibschwäche angemeldet.

Wie tragisch…

Christine Strauß-Ehret

Stolperfalle Rechenbücher!

Im Mathematikunterricht der Grundschule gibt es viele Stolperfallen, die den Kindern das Rechnen  lernen unnötig erschweren. Sie verhindern eine Erarbeitung des Mengenverständnisses und drängen das Kind in eine Sackgasse! Hier entstehen bereits die ersten Lernblockaden durch das Antrainieren schlechter Lernstrategien. 

Mathe – Stolperfalle  Nr.3: Rechenbücher!

Diese kommen in der Schule und zum Teil auch zu Hause zur Anwendung und haben den Zweck das Rechnen lernen von Kindern zu unterstützen und zu begleiten.
Leider haben fast alle Rechenbücher, einen gravierenden Nachteil.
Sie wollen wissen welchen?
Nehmen wir Leon als Beispiel. Er hat noch kein Mengenverständnis aufgebaut und wird frisch in die erste Klasse eingeschult. Wenn Sie jetzt einen Blick in sein Mathebuch werfen könnten, so würden Ihnen sofort die vielen Abzählübungen auf den ersten Seiten auffallen. Leon soll Mengen einkreisen – die er natürlich abzählt, sie sollen die Zahlen zu dargestellten Mengen schreiben (die er natürlich auch abzählt) und sie sollen zu bestimmten Zahlen die passende Menge aufmalen. Auch das löst er wieder über das Zählen.
Bei allen weiteren mathematischen Themen greift Leon auf seine bisherige Strategie zurück, denn er weiß ja noch nicht, dass Mengen nicht als Reihe zu verstehen sind, sondern als Gesamtmengen, die sich in Teilmengen aufteilen lassen.  
Also zählt er Zerlegungsaufgaben aus (z.B. 8 Kinder, wie viele Jungs, wie viele Mädchen), er zählt bei Plusaufgaben weiter und bei Minusaufgaben rückwärts. Was tut er also die ganze Zeit? Das was er bereits sicher beherrscht: Zählen! Aber er rechnet nicht!

Sie erinnern sich? Zählen ist nicht Rechnen!

Wie Leon, so geht es vielen Kindern die ohne sicheres Mengenverständnis in die Schule kommen. Das, was sie dringend zum Verstehen von Mathematik brauchen, nämlich das Verständnis einer Menge als Teil eines  Ganzen (also 5 Bonbons kann man aufteilen, du 3, ich 2) lernen diese Kinder nicht von alleine, und schon gar nicht, indem sie das tun, was sie schon immer getan haben, nämlich  ABZÄHLEN!

Nun muss man fairerweise sagen, dass es schon auch viele Übungen in allen Mathebüchern gibt, die den Kindern Bilder als Hilfe anbieten (also z.B. 10 Perlen in einer Reihe: 5 rote und 5 blaue), welche verhindern sollen, dass alle Aufgaben ausgezählt werden.  Das Problem ist, dass – wird das Kind mit den Übungen alleingelassen – es natürlich rechnet, wie es die Aufgabe versteht: Nämlich als Zählaufforderung. Also versucht es, alle mathematischen Anforderungen eben über das Zählen zu bewältigen.

Mein Tipp:  
Schauen Sie sich die einzelnen Übungen im Mathebuch der Kinder gut an. Und haben Sie den Mut, reine Zählübungen auszulassen, oder Teile davon wegzustreichen. Und ganz wichtig: Lassen Sie nicht zu, dass permanent alle Aufgaben durch Zählen gelöst werden. Das Dazumalen (bei Plus) und Wegstreichen (bei Minus) von Bällen oder Punkten ist nämlich auch wieder nur eine Zählstrategie. Decken Sie diese Abbildungen ab und verwenden Sie zur Hilfestellung Würfelbilder bis 10.

BildArtikelbeschreibung AHinddArbeitshefte im Zahlenraum bis 10, mit denen die Kinder lernen, fehlerfrei zu rechen ohne zu zählen finden Sie hier:

Arbeitshefte Mathe Grundlagen

Viel Erfolg!

Ihre

Christine Strauß-Ehret

Stolperfalle zählendes Rechnen!

Im letzten Beitrag habe ich Ihnen einen der 3 häufigsten Stolperfallen im Matheunterricht der Grundschule aufgezeigt, und warum dies ein erfolgreiches Rechnen lernen erschwert. Es ging speziell um die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen in Bezug auf das Mengenverständnis. 

Stolperfalle im Mathematikanfangsunterricht Nr. 2: Das zählende Rechnen!

Dieses Thema ist bei Experten und unter Lehrern heiß umstritten, es gibt viele Menschen, die der Meinung sind, das wäre für die Kinder kein Problem und im Gegenteil ein natürlicher und nützlicher Zugang zum Rechnen, weil seine 10 Finger hat das Kind ja immer bei sich!

Richtig! Kinder sollten das Auszählen einer Vielheit (also einer Menge von gleichen Dingen) können. Aus meiner Erfahrung beherrschen das nur wenige Kinder nicht. Also schon bei Schuleintritt bis 20 oder sogar bis 100 weiterzählen? Meist kein Problem! Natürlich nur vorwärts, rückwärts brauchen wir Erwachsene die Reihe im Alltag auch nicht wirklich.

Was jedoch in der Schule und im Elternhaus richtig schiefgehen kann, ist, wenn die Kinder lernen, auch die Rechenaufgaben über das Auszählen auszurechen. Also bei Plus weiterzuzählen und bei Minus rückwärts zu zählen. Das Fatale dabei ist: Zählen ist kein Rechnen! Oder zählen Sie als Erwachsener noch 6 minus 5 oder 35 + 23 aus?

Auch wenn Sie denken, das gibt sich von selbst! Und am Anfang muss das so sein. Weit gefehlt! Viele Kinder verfestigen diese langsame und wenig erfolgreiche Strategie so stark, dass sie –wenn die Aufgaben schwieriger werden – gar nicht mehr weiterkommen. Jonas schaute mich z.B. bei der Aufgabe 25 + 32 hilflos an und sagte: „Meine Finger reichen dafür nicht aus“. Und bedenken sie, in der Fachliteratur gelten Kinder die am Ende der ersten Klasse noch alles auszählen schon als rechenschwach! Also warum es erst überhaupt so weit kommen lassen?

Mein Tipp deshalb für Sie: verbieten Sie das Zählen nicht!

Aber achten Sie darauf, dass sie dem Kind andere Möglichkeiten bieten, damit es eben nicht zählen muss und es ein echtes und sicheres Mengenverständnis aufbauen kann. Und warten Sie damit nicht zu lange! Spätestens zum ersten Halbjahr der ersten Klasse sollte das fehlerhafte Zählen über ein fehlerfreies Rechnen ersetzt worden sein.

Rechnen geht auch ohne Finger!Als Hilfestellung habe ich für Sie einen kostenfreien Report erstellt: „Rechnen geht auch ohne Finger“

Mit den beschriebenen Übungen und den beigefügten Materialien haben schon viele Kinder ein sicheres Mengenverständnis aufgebaut! 

Im nächsten Beitrag erkläre ich die 3. Stolperfalle, nämlich, welche wichtige Rolle die Rechenbücher der Kinder spielen und wie diese sich fatal zu deren Lernnachteil auswirken können.  

Bis dahin viel Erfolg!

Ihre

Christine Strauß-Ehret