Ist Dyskalkulie eine Krankheit?

Glauben Sie auch, dass Kinder, die nicht rechnen können an einer Krankheit leiden? Ich nicht!  Wenn ich Dyskalkulie google, erhalte ich unfassbare 658.000 Ergebnisse. Therapievorschläge, Erklärversuche, Forenangaben, seiten von Elternverbänden etc. Und das Keywort hat ungefähr 18000 Suchanfragen jeden Monat! Diese Menschen bemühen sich wohl, eine Erklärung zum Phänomen „Dyskalkulie“ zu finden, bzw. erhoffen sich über diese Informationen und Förderkonzepte konkrete Hilfestellungen. Gehören Sie auch dazu?

In meiner Vorstellung sehe ich all die kleinen Kinder in der Grundschule, die mit dem Etikett „du kannst nicht rechnen“ versehen werden und für die damit der begonnene Leidensweg dennoch kein Ende nimmt. Ich will hier gar nicht weiter auf die verschiedenen Definitionen die es dafür gibt eingehen, sondern meine Erfahrungen mit Kindern die diese Diagnose haben, schildern. Seit Jahren arbeite ich fast ausschließlich mit Kindern die Probleme beim Rechnen zeigen (darunter waren auch schon viele Kinder mit dem besagten Gutachten) und stelle immer wieder erstaunt fest, dass die Eltern den Lehrern wirklich glauben, wenn diese behaupten, dass das Kind das Problem ist. Das Kind kann nicht rechnen, verwechselt die Zahlen, rechnet alles mit den Fingern, braucht zu lange, braucht viele Hilfestellungen, schreibt schlechte Noten etc. Wenn mir die Eltern dann erzählen, wie und mit was das Kind gelernt hat, welche Übungen es machen musste, wie fleißig es bisher übte und wie deprimiert das Kind jetzt gerade sei, weil es sich für dumm hält, bin ich meist erst empört, dann tief traurig. Wer ist der Sündenbock? Das Kind und vielleicht auch noch die Eltern, die nicht genug geübt haben?

In vielen Fällen ist dies nicht wahr. Wenn ein Grundschulkind nicht rechnen lernt, so ist dieser Umstand fast ausschließlich das Ergebnis eines schlechten Unterrichts, einer schlechten Vermittlung oder eines schlechten Lehrwerkes oder eine Mischung von allem. Und was erschwerend hinzu kommt: Es fehlt an an den Schulen meist ein Verständnis für Basisanforderungen. Was sollte ein Kind zumindest können und was braucht es nicht wirklich, erschwert nur das Lernen und ist reine „Abüberei?“.  Hier wird sich zu stark an den Vorgaben der sog. Lehrwerke gehalten, nach dem Motto „alle Kinder sollten am Ende alles können“. Warum? Was macht das für einen Sinn? Kommazahlen in der 3. Klasse, Größen – Umrechnungen und Sachaufgaben die manchen Erwachsenen noch straucheln lassen. Eine Qual für viele Kinder, zumal wenn das Basisverständnis fehlt.  Kein Wunder, wenn sich Eltern und Lehrkräfte nach einer Lösung sehnen, nach einer plausiblen Erklärung für all das Nicht – Verstehen trotz gut gemeinter Erklärungen, für die Sorgen und tränenreichen Nachmittage.

Dyskalkulie scheint da die Rettung. Mein Kind ist nicht zu dumm, es kann nichts dafür, es ist einfach krank! Nein eben nicht! Bitte liebe Eltern und Lehrkräfte wacht auf! DAS KIND IST NICHT DAS PROBLEM! Schauen Sie sich mal in aller Ruhe die Hefte und Bücher der Kinder in Mathe an. Und dann hinterfragen Sie, wie Sie Mathe vermitteln bzw. wie das Kind das Rechnen lernt. Können da auch Kinder mitkommen und verstehen, die nicht sowieso schon alles in Mathe können? An welcher Stelle ist das Kind ausgestiegen und warum? Was braucht es, damit es verstehen kann?

Dyskalkulie ist für mich keine Krankheit und bedarf auch keiner Diagnose (die erstmal auch nicht weiterbringt). In meiner Erfahrung ist Dyskalkulie vermeidbar! Sie glauben es nicht? Hätte Ivonne schön früher eine gute Hilfe gehabt, wäre das Gutachten nicht nötig gewesen… Sehen Sie dazu den Film „Ivonne lernt rechnen“. Und wenn Sie anderer Meinung sind, freue ich mich über Ihren Kommentar.

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Herzlichst

Ihre Christine Strauß-Ehret

 

   

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