Stolperfalle zählendes Rechnen!

Im letzten Beitrag habe ich Ihnen einen der 3 häufigsten Stolperfallen im Matheunterricht der Grundschule aufgezeigt, und warum dies ein erfolgreiches Rechnen lernen erschwert. Es ging speziell um die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen in Bezug auf das Mengenverständnis. 

Stolperfalle im Mathematikanfangsunterricht Nr. 2: Das zählende Rechnen!

Dieses Thema ist bei Experten und unter Lehrern heiß umstritten, es gibt viele Menschen, die der Meinung sind, das wäre für die Kinder kein Problem und im Gegenteil ein natürlicher und nützlicher Zugang zum Rechnen, weil seine 10 Finger hat das Kind ja immer bei sich!

Richtig! Kinder sollten das Auszählen einer Vielheit (also einer Menge von gleichen Dingen) können. Aus meiner Erfahrung beherrschen das nur wenige Kinder nicht. Also schon bei Schuleintritt bis 20 oder sogar bis 100 weiterzählen? Meist kein Problem! Natürlich nur vorwärts, rückwärts brauchen wir Erwachsene die Reihe im Alltag auch nicht wirklich.

Was jedoch in der Schule und im Elternhaus richtig schiefgehen kann, ist, wenn die Kinder lernen, auch die Rechenaufgaben über das Auszählen auszurechen. Also bei Plus weiterzuzählen und bei Minus rückwärts zu zählen. Das Fatale dabei ist: Zählen ist kein Rechnen! Oder zählen Sie als Erwachsener noch 6 minus 5 oder 35 + 23 aus?

Auch wenn Sie denken, das gibt sich von selbst! Und am Anfang muss das so sein. Weit gefehlt! Viele Kinder verfestigen diese langsame und wenig erfolgreiche Strategie so stark, dass sie –wenn die Aufgaben schwieriger werden – gar nicht mehr weiterkommen. Jonas schaute mich z.B. bei der Aufgabe 25 + 32 hilflos an und sagte: „Meine Finger reichen dafür nicht aus“. Und bedenken sie, in der Fachliteratur gelten Kinder die am Ende der ersten Klasse noch alles auszählen schon als rechenschwach! Also warum es erst überhaupt so weit kommen lassen?

Mein Tipp deshalb für Sie: verbieten Sie das Zählen nicht!

Aber achten Sie darauf, dass sie dem Kind andere Möglichkeiten bieten, damit es eben nicht zählen muss und es ein echtes und sicheres Mengenverständnis aufbauen kann. Und warten Sie damit nicht zu lange! Spätestens zum ersten Halbjahr der ersten Klasse sollte das fehlerhafte Zählen über ein fehlerfreies Rechnen ersetzt worden sein.

Rechnen geht auch ohne Finger!Als Hilfestellung habe ich für Sie einen kostenfreien Report erstellt: „Rechnen geht auch ohne Finger“

Mit den beschriebenen Übungen und den beigefügten Materialien haben schon viele Kinder ein sicheres Mengenverständnis aufgebaut! 

Im nächsten Beitrag erkläre ich die 3. Stolperfalle, nämlich, welche wichtige Rolle die Rechenbücher der Kinder spielen und wie diese sich fatal zu deren Lernnachteil auswirken können.  

Bis dahin viel Erfolg!

Ihre

Christine Strauß-Ehret

 

 

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